Görlitz – Nach dem Einsturz eines Mehrfamilienhauses läuft die Suche nach mehreren Vermissten weiter auf Hochtouren. Gegen 17.30 Uhr war am Montagabend die Meldung über eine Explosion in der James-von-Moltke-Straße eingegangen. Kurz darauf stürzte das Gebäude vollständig ein. In dem Haus befanden sich sowohl Mietwohnungen als auch Ferienwohnungen.

Die Einsatzstelle wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk und Suchhunde sind seit gestern im Großeinsatz. Laut Polizei wird derzeit weiterhin nach drei Erwachsenen gesucht. Ursprünglich galten fünf Menschen als vermisst, zwei von ihnen konnten jedoch später wohlbehalten ausfindig gemacht werden, wie die Polizei in der Nacht mitteilte.

Suche mit Technik und Hunden 

Bei der Suche kommen neben Wärmebildkameras auch Rettungshunde zum Einsatz, die die Trümmer durchsuchen. Zur Absicherung der umliegenden Gebäude werden diese mit Sensoren durch das THW überwacht. Mit diesen haben die Einsatzkräfte die Möglichkeit, Erschütterungen zu messen und entsprechend zu reagieren. 10 Häuser sollen evakuiert worden sein. Nach ersten Angaben vor Ort kommen die meisten Bewohner bei Verwandten unter.

Gasexplosion als Ursache? 

Nach bisherigen Erkenntnissen könnte eine Gasexplosion die Ursache für das Unglück gewesen sein. Unter den Trümmern soll sich weiterhin ein Gasleck befinden, weshalb die Rettungskräfte äußerst vorsichtig vorgehen müssen. Sensoren überwachen die Stabilität der verbliebenen Gebäudeteile, während der Schutt teilweise per Hand und mit schwerem Gerät abgetragen wird.

Tragisches Schicksal 

Besonders dramatisch ist das Schicksal von Cosmin C. Der Mann war gemeinsam mit seiner 25-jährigen Frau und seiner Cousine erst am selben Tag für einen dreitägigen Urlaub nach Görlitz gereist. Nach eigenen Angaben wollte er nur kurz bei Aldi etwas zu trinken kaufen. Etwa eine Minute nachdem er das Haus verlassen hatte, hörte er eine gewaltige Explosion. Als er zurückkehrte, war das Gebäude bereits eingestürzt. Seitdem bangt er um seine Frau, mit der er seit zehn Jahren zusammen ist, sowie um seine Cousine.

Augenzeugen unter Schock 

Anwohner berichteten von einem lauten Knall und einer starken Druckwelle. Augenzeugen schilderten panische Szenen auf der Straße, Menschen hätten geschrien und geweint. Die Trümmerteile lagen über die gesamte Fahrbahn verteilt. Auch umliegende Gebäude wurden vorsorglich evakuiert.

Kriseninterventionsteam für Betroffene

Neben den Rettungs- und Bergungskräften stehen für die Betreuung von Betroffenen auch Kriseninterventionsteams bereit. Sie sind direkt vor Ort, um Betroffene, Angehörige und Zeugen, die das erlebte, psychisch nur schwer verarbeiten können, mit Gesprächen, Beistand und ersten Hilfsangeboten zu unterstützen.

Die Ursache des Einsturzes ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Die Suche nach den Vermissten dauert an.